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Der Unterschied zwischen Leichter und Einfacher Sprache

19.08.2024

Kurz und knapp: Leichte Sprache ist stärker vereinfacht, strenger geregelt und wird häufig mit Prüfgruppen abgesichert. Einfache Sprache ist weniger formal, richtet sich an ein breiteres Publikum und setzt eher auf allgemein gut verständliche Formulierungen.

Viele Menschen nutzen die Begriffe Leichte Sprache und Einfache Sprache, ohne den Unterschied zu kennen. Die beiden Sprachformen haben zwar einige Gemeinsamkeiten, unterscheiden sich jedoch in wichtigen Punkten.

Heute klären wir, was die wesentlichen Unterschiede zwischen diesen beiden Sprachformen ausmacht und wann welche Sprachform sinnvoll eingesetzt werden sollte. Einen allgemeinen Überblick bietet unsere Seite Was ist Leichte Sprache?.

Leichte Sprache

Leichte Sprache ist besonders einfach gehalten. Diese Sprachform richtet sich an Menschen mit Lernschwierigkeiten, Menschen mit geringer Lesekompetenz oder Personen, die nur über begrenzte Deutschkenntnisse verfügen. Die Formulierung muss sehr klar und eindeutig sein, damit die Information leicht verstanden wird.

Hier die wesentlichen Merkmale der Leichten Sprache:

  • Kurz und knapp: Sätze sind sehr kurz, meist nicht länger als 8 Wörter.
  • Einfache Wörter: Es werden nur bekannte, leicht verständliche Wörter genutzt. Fachbegriffe werden erklärt oder ganz vermieden.
  • Aktive Sprache: Passive Satzkonstruktionen werden vermieden.
  • Trennungen und Erklärungen: Komplexe Wörter werden getrennt (z.B. Rettungs-Hubschrauber) und erklärt, oft unterstützt durch Bilder.
  • Kurzer, schlicher Aufbau: Listen und Aufzählungen helfen beim Verständnis.
  • Überprüft: Die Texte müssen von Personen geprüft werden, die selbst Schwierigkeiten mit dem Lesen und Schreiben haben.

Eine vollständige Übersicht aller Empfehlungen finden Sie in unserem Beitrag zu den Regeln der Leichten Sprache.


Ein Beispiel für Leichte Sprache:


 Die Frau trinkt Kaffee.

 Der Kaffee ist heiß.

 Das ist gut für sie.

 Sie mag heiße Getränke.

Einfache Sprache

Einfache Sprache ist weniger strikt als Leichte Sprache und richtet sich an eine breitere Zielgruppe, die dennoch Unterstützung beim Lesen komplizierter Texte benötigt. Das können Menschen mit guten Grundkenntnissen in der Sprache sein, aber auch Personen, die Schwierigkeiten haben, komplexe Satzstrukturen zu verstehen.

Wesentliche Merkmale der Einfachen Sprache:

  • Klar und strukturiert: Sätze sind kürzer als in der Alltagssprache, aber länger als in Leichter Sprache (bis zu 15 Wörter).
  • Direkte Formulierungen: Fachbegriffe werden genutzt, aber erklärt.
  • Einfache Worte: Wörter und Ausdrücke sind so einfach wie möglich gewählt.
  • Aktive Sprache: Auch hier werden passive Strukturen vermieden.
  • Übersichtlich: Der Text ist klar gegliedert und leicht nachvollziehbar.
  • Meist nicht geprüft: Es gibt keine Verpflichtung zur Prüfung durch die Zielgruppe.

Ein Beispiel für Einfache Sprache:

 Die Frau trinkt einen Kaffee. Der Kaffee ist heiß, was der Frau gut gefällt, weil sie heiße Getränke mag.

Wann nutzt man welche Sprachform?

Die Wahl zwischen Leichter und Einfacher Sprache hängt von der Zielgruppe und dem Zweck des Textes ab.

  • Leichte Sprache: Ideal für behördliche Mitteilungen, Formulare oder Informationen für Menschen mit Lernschwierigkeiten oder anderen kognitiven Beeinträchtigungen. Sie erfordert genaue Prüfungen und eine strenge Einhaltung der Regeln.
  • Einfache Sprache: Geeignet für die allgemeine Öffentlichkeit, insbesondere für Informationen auf Webseiten, in Broschüren oder Anleitungen. Hier muss der Text leicht verständlich, aber nicht strikt nach den Regeln der Leichten Sprache gehalten sein.

Beide Sprachformen haben das Ziel, die Kommunikationsbarrieren zu minimieren und die Verständlichkeit zu erhöhen. Welche Variante man wählt, hängt davon ab, wer die Zielgruppe ist und wie komplex die Informationen sind, die vermittelt werden sollen.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Beide Sprachformen tragen dazu bei, eine inklusive Gesellschaft zu fördern. Dank der Einführung von Leichter und Einfacher Sprache wird sichergestellt, dass wichtige Informationen möglichst vielen Menschen zugänglich gemacht werden.

Tools zur Übersetzung in Leichte und Einfache Sprache

Es gibt viele Möglichkeiten, einen Text in Leichte oder Einfache Sprache zu übersetzen. Einige kostenlose Tools haben wir in einem vorherigen Blogeintrag besprochen.

Mit dem Leichte Sprache Übersetzer kannst du Texte sowohl in Leichte als auch in Einfache Sprache übersetzen.

Häufige Fragen (FAQ)

Welche Sprachform ist barrierefreier?
Leichte Sprache gilt in der Regel als barrierefreier, weil sie strengeren Regeln folgt, sehr einfache Sätze verwendet und oft mit Prüfgruppen abgesichert wird. Einfache Sprache ist ebenfalls gut verständlich, aber weniger formal geregelt und richtet sich an ein breiteres Publikum.
Welche Sprachform brauche ich für Behördenwebseiten?
Viele Behörden setzen auf Leichte Sprache, wenn sie besonders barrierefreie Informationen bereitstellen wollen, zum Beispiel zu Leistungen oder Formularen. Für andere Bereiche kann auch Einfache Sprache ausreichend sein. Oft ist eine Kombination aus beidem sinnvoll.
Kann KI sowohl Leichte als auch Einfache Sprache unterstützen?
Ja. KI-Tools können Texte sowohl in Leichte als auch in Einfache Sprache vereinfachen. Wichtig ist aber, dass das Tool speziell für diese Sprachformen entwickelt wurde und du die Ergebnisse prüfst, vor allem bei wichtigen oder sensiblen Texten.
Wann sollte ich professionelle Übersetzer*innen beauftragen?
Wenn es um rechtlich relevante, sehr sensible oder besonders wichtige Inhalte geht, etwa bei Bescheiden, Verträgen oder offiziellen Informationen, sind professionelle Übersetzer*innen mit Prüfgruppe oft die beste Wahl. Für weniger kritische Inhalte können spezialisierte KI-Tools eine gute Alternative sein.
Hier geht's zum Leichte Sprache Übersetzer


Veröffentlicht am von Lukas Hecker.